Aloe Vera in Eigenbau

By | 8. Oktober 2018

Warum baut ein Läufer Aloe Vera an?

Nichts ist logischer als das: Bei einem ordentlichen Geländelauf kann man sich jede Menge Blessuren zuziehen, sei es Kratzer durch Dornen oder Äste, die gerade im Weg sind, juckende Schwellungen durch stechende Flugtiere wie Bienen, Wespen oder Mücken, Schürfwunden durch Stürze, wunde Stellen durch ungenügend sitzende Kleidungsstücke, die auf kürzeren Strecken ganz bequem waren, Blasen, Sonnenbrände, die man natürlich vermeiden sollte.

Gerade bei einem Sonnenbrand halte ich Aloe für das Heilmittel schlechthin: Wenn ich das Gefühl habe, mich leicht verbrannt zu haben, und nach dem Duschen ordentlich Aloe-Blattgel auf die Haut auftrage, dann ist dieses unangenehme heiße Gefühl meistesns schon am nächsten Tag weg. Und die Haut schält sich auf nicht. Das deckt sich auch mit der Aussage, dass Aloe bei Verbrennungen helfen soll.

Die Beschäftigung mit Pflanzen ist auch eine dankbare Beschäftigung für die Regenerationsphasen. Für die Regeneration in der Regeneration 😉 . Und Aloe ist sehr geduldig. Meine ersten Pflanzen haben auch schon mal sechs Wochen allein in der Wohnung ohne Gießen überlebt. Das ist ideal für jemanden, der vor Trainingseifer auch mal das das eine oder andere vergisst, oder einfach wenig Zeit hat. 

Eine besondere Generation von Ablegern und jungen Pflanzen

Bedingt durch einen Umzug aus einer Stadtwohnung in ein Haus mit Garten und Wintergarten, und nicht nur dadurch, habe ich einige Gewohnheiten geändert. Das haben auch meine Pflanzen zu spüren bekommen.

Die Outdoor-Überlebenskünstler

Die meisten der letzten Generation habe ich die letzten beiden Sommer über im Garten sich selber überlassen. Das haben nur die robustesten überlebt. Letztes Jahr war die Quote dadurch nur 50 %. Früher haben bei mir praktisch alle Ableger/Wurzeltriebe  (auch Kindel genannt) überlebt. Mein Fazit damals: Auf der sonnigen Terrasse ist es einfach zu heiß. Die an der Hecke sind alle durchgekommen. 

Aloe Pflanzen unter der Hecke
Aloe Vera Pflanzen, die zwei Sommer im Freien überlebt haben

Und die habe ich noch einen Sommer lang an den gleichen Platz gestellt. Wie man auf dem Foto mit dem grünen Hintergrund sieht, ist das nicht ohne Blessuren abgegangen: Sonne auf Wassertropfen ergibt einen Brennglas-effekt. Das hat vor allem den äußeren Blättern Flecken und sogar Löcher eingebracht. Von innen wachsen sie aber gut nach. Die vielen kleinen Pflanzen sind übrigens die (13) Ableger der lädierten Großen.

Aloe Vera Pflanze mit 13 Kindel
Eine Aloe-Pflanze, die den Sommer überlebt hat, und soeben von ihren 13 Ablegern getrennt wurde. Ob die abgebrochene riesige Pflanze im Hintergrund wieder Wurzeln geschlagen hat?

Die Trockenheit haben heuer alle überstanden, weil ich doch ein paar Mal gegossen habe. Nur ein paar Blattspitzen sind verdorrt. Die Blätter wachsen aber weiter. Und von innen kommen die neuen Triebe saftig grün nach. Am Ende des Winters wird man die Pflanzen kaum noch wiedererkennen.

Die bewährt gepflegten – Intervalltraining

Die Pflanzen vom Fensterbrett habe ich alle drei Wochen von unten satt gewässert, und dann die Erde austrocknen lassen. Diese Methode hat sich seit über 15 Jahren bewährt. Wenn es trocken wird, werden die Blätter dünner und manchmal bräunlich, nach dem Wässern werden sie langsam wieder grün und prall rund, und wachsen. Wenn sie zu lange (Tage) gewässert werden, dann werden die Blätter weich und die Wurzeln faulen.

Wie gesagt hat sich bei mir die Methode mit dem seltenen aber ergiebigen Wässern bewährt. (Den Pflanztopf in einen Übertopf voller Wasser stellen, bis sich die Erde von unten vollgesogen hat. Dann den Übertopf ausleeren beziehungsweise den Pflanztopf herausnehmen.) Auch eine auf den ersten Blick vertrocknete Pflanze kann möglicherweise wiederkommen. 

Ich gehe davon aus, dass die Wurzeln besonders gut wachsen, wenn die Erde im Topf immer trockener wird, und dann, wenn die Erde wieder nass gemacht wird,  die Pflanze schneller Wasser und Energie bekommt, um die Blätter vollzupumpen und zu wachsen.

Das ist ja im Prinzip wie mit der Wechselwirkung zwischen Training und Regeneration. Beim Training wird dem Körper klar gemacht, dass er mehr Kraft gut brauchen könnte. Aber nur wenn der Körper zwischendurch Zeit und Nährstoffe dafür bekommt, kann er Muskeln aufbauen und noch stärker werden.  

Die häufigste „Todesursache“ ist bei meinen Pflanzen, wenn die Blätter zu schwer für den Stamm werden. 60 Zentimeter Blattlänge und bis zu 8 Zentimeter Breite hatte ich schon öfter, und da ich die äußeren Blätter nach und nach abschneide, bevor sie von selber abfallen oder verdorren, bekommen die Pflanzen im Laufe der Jahre einen Stamm, der leider zu dünn für die vielen prächtigen und immer größeren Blätter wird.

Hat jemand eine Idee, wie man so etwas stützen kann?

Die Überlebenskünstlerin

Nur eine Pflanze ist in der prallen Sonne im Wintergarten gestanden. Die hat momentan braune Blätter und mindestens sechs Ableger in einem schon lange zu kleinen Becher. Die braucht öfter Wasser, überlebt aber.

Aloe Vera Familie in einem Pflanztopf
So sieht ein Aloe Vera Topf aus, wenn man die Kindel mitwachsen lässt, und das Umtopfen immer weiter hinausschiebt.

Inzwischen habe ich die Pflanze doch auseinander genommen, schon aus Neugier, wie viele Pflanzen das inzwischen tatsächlich sind. Dafür habe ich den Wurzelballen aus dem Pflanztopf genommen, und vorsichtig auseinander gerissen. Bei dieser Pflanze war ich – positiv – erstaunt, dass ich ohne großes Gefummle lauter fast gleich große schöne ebenmäßige kleine Pflanzen mit etwa gleichviel Wurzelwerk bekommen habe, und zwar sieben Stück! Die kleinen habe ich jeweils in einen Trinkbecher mit angebohrtem Boden gesetzt, und die große zurück in den alten Topf.  

8 Aloe Vera Pflanzen
Aus der stachligen Gruppe, die komplett im etwas größeren Pflanztopf in der Mitte herangewachsen ist, wurden acht quietschfidele Einzelpflanzen, die ihren eigenen Becher bald schon alleine ausfüllen werden.

Platz für die nächste Generation

Im Prinzip biete ich jetzt alle Pflanzen bei Selbstabholung zum Kauf an. Wer zuerst kommt, kann sich die schönsten aussuchen. Genetisch sind alle identisch, und werden sich je nach Behandlung entwickeln. Die übrigen dürfen bei mir weiter wachsen und Ableger bekommen.

Diese Ableger entnehme ich, indem ich sie vorsichtig mit ein paar Wurzeln aus der Erde ziehe, oder den Wurzelballen vorsichtig auseinander reiße. Ich habe den Eindruck, dass die Pflanzen umso mehr Ableger (Kindel) haben, desto enger der Pflanztopf ist. Dafür wachsen sie schneller, wenn sie mehr Platz haben.

Schutz und Heilung für die Haut

Selber benutze ich das Blattgel von frisch abgeschnittenen Blattstücken direkt auf die Haut. Die Schnittstellen heilen sehr schnell, und die zurückgeschnittenen Blätter wachsen weiter. 

Vor allem bei den großen Blättern sollte man die gelbe Flüssigkeit unter der Blatthaut (Rinde?) erst zwei Stunden lang abtropfen lassen. Diese Flüssigkeit soll andere Kräfte haben als das farblose klare Blattgel, aber vor allem färbt sie, schmeckt bitter und kann reizen.

Wie oben erwähnt, benutze ich das Gel für kleine Wunden oder bei Sonnenbrand. Außerdem nehme ich es gegen trockene Haut her, oder bevor ich mich besonders trockenem, kaltem oder nassem Wetter aussetze. Das Gel tut so, als würde es sehr schnell in die Haut einziehen. Schon nach einer Minute ist die glitschige dickflüssige Masse nicht mehr zu spüren. 

Das Täuscht: Wenn am Ende des Tages, auch nach zwölf Stunden oder mehr, Wasser auf die am Morgen mit Aloe behandelte Haut kommt, fühlt diese sich wieder glitschig an. Offensichtlich bildet das Aloe-Gel also einen unsichtbaren und ziemlich stabilen Schutzfilm.

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