Mit allen Mitteln nach Italien, auch zu Fuß

Dienstag, 16.08.2011

Ich habe längst beschlossen, dass ich heute mit dem Sessellift abkürzen werde, wie mir im Gasthof geraten wurde.
Kurz vor dem Pass überhole ich einen Mann, der in der Kraxe ein Kleinkind hoch schleppt. Ich applaudiere ihm, und meine, dass die Kleine nächstes Jahr vielleicht schon selber hochläuft.

An der Volkzeiner Hütte bin ich dank des Abkürzers und der ausgeruhten Beine schon um halb zwölf. Hier esse ich ordentlich zu Mittag. Am Nachbartisch fällt mit eine gut aufgelegte Gruppe aus drei älteren Männern und einer Nonne auf.

Der Weg ins Tal ist eine sehr lange Fahrstraße. Falls die auf der Karte eingezeichneten Bushaltestellen bedient werden – und es sich zeitlich lohnen würde, täte ich heute noch einen Abkürzer nehmen, obwohl es sich so leicht bergab recht flott und entspannt läuft.

Bevor die erste Haltestelle kommt, überholt mich die Gruppe von vorhin. Die vier bieten mir an, mich mitzunehmen. Den Gesprächen nach, die sie untereinander führen, sind die vier Geschwister. Die Nonne hat gerade zwei Tage Urlaub. Ich fahre bis zur großen Straßenkreuzung an der Abzweigung nach Kartitsch mit.

Dort studiere ich die Karte und komme zu dem Schluss, dass ich jetzt womöglich heute noch die Obstanser See- Hütte an der Grenze zu Italien erreichen könnte, vor allem, wenn ich noch einen Bus nach Kartitsch bekomme. Mit Bussen habe ich auf dieser Reise kein Glück, und am Ende bin ich die Strecke nach Kartitsch gelaufen, zwar vorwiegend auf Teerstraße, aber mit erfrischend weitem Blick auf frisch gemähte Wiesen und malerische Dörfer in der Ferne – natürlich alles vor einer Alpenkulisse. In Kartitsch  rechne ich nach, ob ich es noch bis zur Hütte schaffen könnte. Schließlich bin ich ja noch fast frisch. Bei Tageslicht werde ich es noch schaffen, mit dem Abendessen wird es knapp. Das wird eng, zumal ich seit Wörgl keinen einzigen offenen Lebensmittelladen mehr gesehen habe. Aber vielleicht habe ich Glück, bzw. Bier wird es auf jeden Fall noch geben.

Der Weg macht richtig Spaß und ist sehr solid hergerichtet. Ich versuche, mir vorzustellen, wie die unzähligen Holzschwellen hierher gebracht und zu diesen Treppen in den Weg eingearbeitet worden sind. Die Landschaft wird nach oben zu immer schöner und das einzige, was mich vom Laufen abhalten könnte, wären Fotostopps.

Auch die Obstanser See Hütte ist recht voll, und ich muss mich gleich zum Essen hinsetzen. Viele Wanderer dürften auf dem Karnischen Höhenweg unterwegs sein, wie alle, mit denen ich ins Gespräch komme – wie auch die drei an meinem Tisch. Wir dürften mit die ältesten sein, wobei einer noch 35 Jahre Vorsprung vor mir hat. Sonst sehe ich vorwiegend junge Leute, ganz anders als zum Beispiel in den Dolomiten. Ein stolzer Papa ist mit seinem neunjährigen Sohn unterwegs, der nicht müde wird, zu betonen, wie viel Spaß ihm der Aufstieg gemacht hat.



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