Anlauf

Bayrischzell-Wörgl

Mittwoch, 10. August 2011

Ich steige gegen Mittag in den Zug nach Bayrischzell. Von dort bin ich noch nie aufgebrochen. Ich erwarte eine lockere Etappe ins Inntal ohne größere Steigungen. Etappenziel ist Wörgl.

Vom Bayrischzeller Bahnhof aus laufe ich kurz durch die hübsche Ortschaft nach Süden zur Landstraße, wo eine Brücke über den Bach anzusteuern ist. Dann bin ich auf einem gepflegt gekiesten schattigen Radweg, dem ich einfach bis zum Gasthof Zipfelwirt und weiter zum Gasthaus Bäckeralm durch das enge von grünen Bergen und schmalen Wiesen gesäumte Tal folge. Am Ursprungpass muss ich auf die Straße wechseln, die aber kaum befahren ist. Nach einer großen Linkskurve, ab der es erstmals merkbar bergab geht, am Anfang einer losen Häusergruppe namens Wacht, will ich das Gasthaus Wastler in Riedenberg ansteuern. Ich sehe Leute in einem Garten und lasse mir von denen den Weg erklären. Tatsächlich finde ich nach einem guten Stück Forststraße durch dichten Wald und einigen Abzweigungen eine kleine Siedlung mit dem angepeilten Gasthaus. Mir wird bewusst, dass heute erstmals seit Tagen Sonne ist. Das wirkt jetzt wie eine Vorahnung auf Italien..

Den Weg Richtung Almgasthaus Buchhacker finde ich erst im zweiten Anlauf. Bis Wörgl würde es Abend sein. Aber kurz davor sind noch zwei Gasthäuser auf der Karte eingezeichnet. Bald geht es bergauf, und jetzt sind die Berge und Almen rundherum sichtbar. Ein schöner Abendlauf wird das. Eine Stunde mehr Zeit bis zur Dunkelheit wäre recht. Die Almlandschaft da oben wirkt wie eine Sonnenterrasse oder wie ein riesiger grüner Sessel mit grandiosem Bergblick über’s Inntal nach Süden, einer Almwiese als Sitzpolster und Felsen praktisch als Arm- und Rückenlehne. Jetzt muss ich nur die richtige Abzweigung nach Wörgl nehmen.

Viel zu früh geht ein schottriger Fahrweg in Serpentinen bergab. Obwohl ich talwärts gut unterwegs bin, überholt mich eine Wandrerin ein paar Mal. Einmal justiere ich die Schnürung meiner Schuhe nach, einmal muss sie einen Abkürzer genommen haben, und einmal halte ich an einer gefassten Quelle, um Wasser nachzufüllen.

Bis vor drei Tagen war die trocken. Wir kommen ins Gespräch. Ich folge ihr über einige Abkürzer, die ich nie gesehen hätte, und am Parkplatz bietet sie mir an, mich ein Stück mitzunehmen. Gern nehme ich an. Schön ist das Inntal. Aber oft gibt es wegen der Schadstoffwerte in der Luft ein Tempolimit von 100 km/h. Die fesche Dame setzt mich an einem schön gelegenen Gasthof Baumgarten ab, der sogar ein Wegpunkt meiner geplanten Route ist.

Leichtsinnigerweise laufe ich von dort aus weiter nach Wörgl, wo ich zwar eine Unterkunft finde, aber keine offenen Restaurants mehr, außer in meiner Bleibe, wo kräftig geraucht wird. Ich hab’s überlebt.



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