Krankentransport

Eine englischsprachige Touristin, die Krankenschwester ist, bemüht sich um eine Diagnose. Du glaubst, daß der Rücken verletzt ist? Ja. Spürst du das? Sie kratzt leicht an den Füßen rum. Ja. Schau bitte weg. Sie kratzt wieder. Wo habe ich gekratzt. Am linken Fuß. Richtig, kannst du die Zehen bewegen? Sie wackeln wie neu. Sehr gut, da kann nicht so viel fehlen. Aber bewege dich vorsichtshalber lieber nicht. Man kann nie wissen. Und setz dich auf keinem Fall hin. Laß dich erst im Krankenhaus untersuchen. Fehlt sonst noch etwas? Der rechte Fuß ist stark lädiert. Der rechte? Ja, der da. Komisch, da sieht der linke noch eher angeschwollen aus. Aber du mußt jetzt sowieso liegen. Genau, und dabei tut der Fuß ja nicht weh. Du wirst wahrscheinlich mit dem Boot nach Fethiye transportiert werden. Ich sage denen, daß sie ganz vorsichtig sein müssen und vor allem deinen Rücken auf gar keinen Fall verbiegen dürfen. Gut, danke, vielen Dank. Nichts zu danken, und vielleicht ist es ja nicht so schlimm, hoffentlich, sei aber lieber vorsichtig.

Der Rücken kann endlich weiter entspannen. Er tut zwar jetzt immer stärker weh, aber das beruhigende Gefühl, einstweilen sicher zu liegen, wiegt momentan schwerer. Endlich eine Trage, auf der man mit entspanntem Rücken liegen kann, keine gefährlichen Aktionen mehr, wahrscheinlich bis zum Krankenhaus. Und da wissen die garantiert, was man in so einem Fall macht, um den Patienten nicht zu gefährden. Bei den paar Umladungen ist es sicher machbar, sich an dem Brett festzuhalten. Auf das Schiff wird es zwar recht steil werden, aber ein paar Sekunden lang kann man sich sicher ausreichend festhalten.

Schon nach wenigen Minuten kommen drei junge Türken, wahrscheinlich vom Tal-Team. Der Kapitän von der Herfahrt ist auch wieder dabei. Wir fahren jetzt nach Ölüdeniz und von da ins Krankenhaus. Gut. Und schon postiert sich jeweils einer am Kopf- beziehungsweise am Fußende. Die Hände krallen sich an dem Brett fest. Laß bitte los, daß wir dich tragen können. Aber … Und schon packen sie die Schultern beziehungsweise die Beine. Die Schwester bittet sie aber, den Tisch als Trage zu nehmen und erklärt kurz das mit dem Rükken. Der Kapitän antwortet etwas, und die zwei packen an. Offensichtlich haben sie es eilig. Für Diskussionen ist jetzt keine Zeit. Rauf auf das Schiff. Said wirft eine letzte Sensationsmeldung ein: Er wird allein und zu Fuß gehen. So schlecht ist die Idee nicht, aber die hohe Bordwand und das Schwanken des Schiffes würden eine solche Aktion richtig lebensgefährlich machen. Nein, das ginge wirklich nicht, ohne den Rücken zu verbiegen. Der Einwurf wird auch nicht ernst genommen, vielmehr wird er praktisch überhört.

Die Krankenschwester bittet die Träger noch einmal um Vorsicht, und schon haben die beiden angehoben. Panik. Das war unvorbereitet. Ist das jetzt das Ende? Das kann doch nicht gutgehen, oder? Den Rücken steif machen, fester als je zuvor. Wenn kein Brett da ist, um ihn zu stützen, dann die Muskeln. Vielleicht kann man den Rücken ja sogar in der Lage so steif machen, daß die Wirbelsäule hält. Wofür ist man den ganzen Sommer über fast täglich geschwommen? Noch geht es. Javash, javash, langsam, langsam. Was heißt vorsichtig auf türkisch? Der dritte ist schon auf dem Boot. Die Reling, wie soll das mit der Reling gehen? Die ist viel zu hoch! Wie bekommt man den Rücken gerade über die Reling? Ein Angststöhnen, das wieder für Schmerz gehalten wird und die drei zu erhöhter Vorsicht veranlaßt. Der Mann auf dem Schiff übernimmt den Oberkörper. Noch geht alles gut. Aber wer übernimmt oben die Beine? Na ja, die können sich im Notfall selber helfen. Der, der am Anfang den Oberkörper hatte, steigt auf das Schiff, wohl, um die Beine zu nehmen. Dabei schlingert die Nußschale natürlich, wodurch sich die beiden momentanen Träger zueinander etwas verschieben. Ein Schmerz im Rücken. Ein Schrei. Vorsicht, bitte. Geradehalten, geradehalten. Ganz ruhig. Auch die Beine sind jetzt auf dem Schiff. Das ist gerade noch gutgegangen.



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